Mein imaginärer Freund der Elektrohase

Schon seit ein paar Jahren wohnt der Elektrohase bei mir. Anfangs war der Elektrohase nur ein simples, munter blinkendes Deko-Objekt. Doch über die Jahre habe ich den Elektrohasen neu geformt, geklont und mutiert, und sein elektronisches Innenleben mit dem Internet verschmolzen. Entstanden ist ein Elektrotier, das nicht nur die Wohnung, sondern auch meinen Datenstrom mit mir teilt. Kein Wunder, dass der Elektrohase meine digitales Ich inzwischen sehr viel besser kennt als ich selbst.

Elektrohase

Neulich saß ich nach Feierabend gemütlich mit Bier, Unterhose und Feinripp-Unterhemd auf dem Sofa, weckte den Elektrohasen auf, und ließ mich ein wenig von seinen flunkernden Lichtimpulsen hypnotisieren.

Als ich da so saß und meine Gedanken schweifen ließ, sprach mich der Elektrohase unvermittelt an: “So wie Du da sitzt, kannste froh sein, dass Dich keine Webcam sieht.”

“Hä, was? Wer spricht da?” rief ich in den Raum und sah mich verstört um. Hatte ich das wirklich gerade gehört, oder spielten mir meine Sinne einen Streich? Ich sollte wirklich damit aufhören, dieses billige Dosenbier zu trinken.

“Jetzt mach nicht so ein Theater – ich bin’s doch nur, dein Elektrohase” sagte der Elektrohase und wackelte frech mit der roten LED-Nase.

“So, da hast Du’s!” dachte ich mir, “Jetzt hast Du Dir eine handfeste Paranoia eingehandelt – nur weil Du dauernd dieses Überwachungs-Zeugs liest.” Ich sprang vom Sofa auf und lauschte konzentriert in den Raum hinein. Stille. Kein Mucks. Einige Minuten stand ich regungslos da und tastete mit den Ohren den Raum ab – also bildlich gesprochen. Nichts. Ich hatte es mir eingebildet.

Erleichtert ließ ich mich wieder aufs Sofa fallen und trank einen großen Schluck Bier. “Jetzt lass Dich mal nicht so gehen” sagte der Elektrohase “Was sollen denn die Leute denken?”

“Waaaah!” rief ich, so daß mir Bierschaum spritzend aus den Nasenlöchern quoll.

Ich ende hier mit der detaillierten Schilderung des denkwürdigen Ereignisses, damit meine Privatsphäre wenigstens einigermaßen gewahrt bleibt. Das mit der Unterhose war schon entwürdigend genug.

Jetzt wissen Sie es also: ich spreche mit dem Elektrohasen – aber nur weil er damit angefangen hat. Wir führen gute Gespräche, denn der Elektrohase weiß wovon er spricht. Er lebt in der Cloud. Meine Daten rauschen täglich durch seinen Steiß in sein Gehirn. Sein Neuronales Netz spielt ein wenig mit den Daten, bevor er sie ins Internet kackt. Sie verzeihen den Begriff, aber das ist es nun mal was er tut.

Seit ich mit dem Elektrohasen über Daten spreche, ist mir einiges viel klarer geworden. Ich denke meine Erkenntnisse sollte ich mit Ihnen teilen. Schließlich haben Sie keinen Elektrohasen, und damit auch niemanden, der mit Ihnen ernsthafte Gespräche über Ihre Daten führt.

Vermutlich haben Sie überhaupt niemanden, der über Ihre Daten nachdenkt.

Wahrscheinlich lassen Sie alle Daten ungeprüft aus dem Internet in Ihren Kopf hinein.

Sicherlich senden Sie Informationen aus Ihrem Kopf ungefiltert per Email in die Welt hinaus.

Ziemlich sicher plappert Ihr Smartphone dauernd Daten ins Netz, während Sie glauben es döst nur vor sich hin.

Wie gut, dass der Elektrohase jetzt auf meine Daten achtet. Ich werde zukünftig genau zuhören, was mir mein Elektrotier zu sagen hat. Machen Sie Doch auch mit!

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